12.10.2019

Ich schäme mich für einen Satz, den ich dachte hier so öffentlich geschrieben zu haben. Seit ca. 3 Monaten schäme ich mich hin und wieder richtig doll dafür. Haha hahahahah.

Scham ist eine gemeine Bratpfanne, die ich mir über den Kopf ziehe. Warum merke ich erst jetzt wie sehr das weh tut? Oder bin ich mit der Zeit rücksichtsloser mit der Bratpfanne geworden?

Das Kind neben mir schläft und atmet. Das ist schön. So bin ich gerne Mutter. – Ich muss fast lachen: ha! Da ist sie wieder, die Scham. Sobald das Kind wach ist, bin ich nicht mehr gut genug.

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22.06.2019

Ein bisschen schlauer, ein bisschen reicher an Geschichten, die andere mir aus ihrem Leben und dem Leben ihrer Freund*innen erzählt haben.

Die Frau im Nationalsozialismus, die Flugblätter verteilt hat. Sie wurde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie kam nach der Gerichtsverhandlung zurück in ihre Zelle im 3.Stock des heutigen Klapperfelds und lächelte. Sie habe gewonnen sagte sie, denn sie wird leben.

Die Frau neben der ich male. Ihr geht es heute gut. Sie wird nicht mehr lange leben. Sie trägt es heute.

Die Frau mit dem Mann, der Alkoholiker war. Als die Nachbarschaft erfuhr, dass er in den Entzug ging sprach niemand mehr mit ihr.

Die 90 jährige Frau, die Anne Frank geheißen hätte.

Die Frau auf dem Schulhof, die mir sagt sie lebt jetzt wovon sie immer geträumt hat. Sie lächelt und streicht mir über den Arm. Trost wie Wasser auf extrem trockene Küchenrolle.

Die Frau, die mir auf den Boden zuraunt, wo ich mit schlafendem Kind sitze: Das Böse darf nicht Siegen.

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18.06.2019

Ich habe heute meinem Ex-Partner und Vater meines Kindes ein Deadline gesetzt bis wann er ausziehen muss.

Ich denke das erste Mal in meinem Leben warum ich? Warum bin ausgerechnet ich in dieser Scheiße gelandet?! Ich bin mit ihm für immer verbunden und irgendwie auch mega abhängig. Ich bin so verletzlich ihm gegenüber. Und er schlimm depressiv.

Unsere Beziehung war schon am Arsch bevor ich schwanger wurde. Wir haben es nur nicht gemerkt. Heute sind wir in einer ekligen Dynamik gefangen.

Alles was mir bleibt ist nun diese Distanz einzufordern, um mich selbst zu schützen. Es ist so motherfucking anstrengend.

Um mich herum bleiben alle Eltern zusammen, machen Ausflüge am Wochenende und so. Ich fühle mich so alleine und ich wünschte ich könnte tauschen.

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20.05.2019

Ich bin müde und habe Träume

Ich bin schrecklich alleine und versuche Kontakt

Das Baby schläft im Arm und ich habe vorher noch schnell Gurke mit viel Joghurt-Fertig-Dressing gegessen. Göttin sei Dank. Es ist mein Trauer-Trost-Essen. Ich bin ein bisschen getröstet.

Dieses Essen ist das was übrig geblieben ist von einer Freundschaft. Sie aß viel Joghurt-Fertig-Dressing-Light. Das einzige was sie sich in größeren Mengen erlaubte zu essen. Hinter dieser Soße verbirgt sich also eine Leidensgeschichte. Aber auch eine Überlebensgeschichte.

Wir teilten eine Traurigkeit, die ich so vermisse zu teilen. Verlassen werden von der Mutter, von den Eltern. Von heute auf morgen alleine klar kommen. Mit Schuld, Scham und Einsamkeit wie an Weihnachten alleine mit 19 in der verlassenen WG in einer fremden Stadt, versuchen zu leben.

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03.05.2019

Es ist nicht wie ich es mir ausgemalt habe. Aus unerfindlichen (?) Gründen fühle ich mich dreckig und schlaff nach den ersten Tagen Eingewöhnung. Traurig auch, weil jetzt endgültig ein Kapitel geschlossen wurde! Ja, wurde. Ich habe hier relativ wenig mitzureden gehabt. Viel reagiert auf Bedürfnisse vom Baby. Viel reagiert auf Bedürfnisse seines Vaters und der Arbeitsagentur. Ich kehre jetzt wohl besser mal ein paar Scherben zusammen, sonst verletzt sich hier eine noch.

Trauern über Kaputtes wäre auch eine gute Idee, sonst explodiert hier eine noch.

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26.04.2019

Jauchz. Das war Glück heute. Ein halbes Stockwerk unter mir wohnt eine Wärme- und Kraft ausstrahlende Antifa-Oma und wir sind dabei Freunde zu werden. Sie ist schlau, mag Schokolade, Eulen und… mich. Danke, Leben. Danke du beeindruckende, tolle Frau aus dem 6 1/2 Stock. Du rufst mir hinterher: „Fall net!“ und es fühlt sich an als schließt mich die *Mütterlichkeit an sich* in ihre Arme.

Sie gab mir die Biografie einer Freundin mit, die Theresienstadt überlebte: „Ich hab das Lachen nicht verlernt“.

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23.04.2019

Der Text von Mareice Kaiser „Ode an den Kindergarten“ kam für mich in genau dem richtigen Moment. Jetzt freue ich mich einfach drauf. Baby wacht auf und weint. Mist. Ich muss vom Klo runter.

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15.04.2019

Die Sehnsucht nach dem Leben ist bei mir so alt wie das Gefühl von ihm getrennt zu sein. Das Gefühl die Welt da draußen ist gefährlich, man kann sich schrecklich verirren, verletzten, gestresst werden, was auch immer… Dieses Gefühl hat meine Kindheit bestimmt. Zuhause fühlte ich mich sicherer. In der Wohnung fühlte ich mich besser als im Garten. Spiele mit mehreren Kindern, Spiele, bei denen man jemanden fangen/schnell sein/besiegen muss, waren der Horror für mich. Sogenannte gesunde Aggression, also ganz basic gemeint, die mir hilft da draußen zu (über-)leben habe ich immer unterdrückt. Wie habe ich es eigentlich geschafft 31 zu werden?

Das Ding ist, dass ich zu Hause nicht sicher war. Etwas rächte sich jedesmal bitterlich an mir, wenn ich mal wieder eine Idee für Draußen verstummen ließ.

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13.04.2019

Ich rief zwischen meine Beine: Ist es ein Baby? Ja, es ist ein Zauberhaftes.

6 Monate später stehe ich bei Aldi und überlege, ob es Sinn macht einen Pulli in Größe 68 für 2,99 zu kaufen.

Ich habe Black Friday verpasst. Es gab 3 Pack Windeln zum Preis von 2. Dummes, dummes Ich! Die Hebamme hat nachgerechnet: Stillen spart auf die Dauer ca. 1000€. Dann erzwinge ich, dass es klappt, Tropfen für Tropfen. Per Hand, elektronisch, per angespannt rumsitzen und rief atmen, damit ich nicht zu viele Stresshormone ausschütte, die das Oxytocin hemmen, das wiederum den Milchspendereflex bestimmt. Ich presse meinen Körper aus – er sollte auch eine gute Mutter sein! Er kann das Konto nicht um so viel Geld betrügen.

Payback, Hipp Club, Bonus Heft, Glückskind, Baby Service, Baby Welt, Bouffier – ich gab Ihnen alles was sie wollten: Daten. Für Pröbchen, Knistertuch und Löffelchen. An einem warmen Tag verlor das Baby seinen Schnulli auf dem Friedhof. Ich weinte, weil es sein Erster war und weil er doch kostenlos gewesen war…

Dieses leuchtende Muttergefühl – Ist das für die mit Kinderzimmer, Bettchen und Maxi-Cosi? Für die mit Garten, schickem Urlaub in der Elternzeit und neu gekauften Klamotten? Mit Opas, Omas, Tanten, Babysitter und abends Essen gehen? Haben die das? Ich bin ratlos, hasse diese Frau, die im Podcast mit selbstverständlicher Leichtigkeit Ausgaben fürs Kind erwähnt. Ich finde meinen Schmerz, nicht dazu zu gehören, nirgends wieder. Sichtbaren, hörbaren Müttern geht es gut und sie sagen Sachen, die (mir) weh tun. Wenn ich kein Geld hatte, fand ich das lästig, aber nicht richtig schlimm. Aber kein Geld für sein Kind zu haben –

Ok. Ich bin out of the Konsum game. Out of Muttergefühl game? Alles nur Neoliberalismus und Nazi-Ideologie?

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12.04.2019

Achso, man kann den Namen von dem Blog auch ändern. Ok.

Ich bin etwas melancholisch, da sich zwei Freundinnen langsam verabschieden, die eine nach Hamburg, die andere woanders hin. Herzschmerz. Aber auch Wärme, weil es nicht zu Ende geht, sondern nur anders weiter, oder?

Dazu kommt, dass sich in nächster Zeit sowieso so viel verändern wird. Das Baby geht in die Krippe, ich soll wieder anfangen zu arbeiten, etwas ganz Neues, ganz, ganz alleine und die Beziehung bleibt erstmal ein großes Fragezeichen. Die Tage sind noch weich, ohne Druck und Hektik. Doch bald wird es richtig schlimm hart, denke ich. Deswegen muss ich mich präparieren, reparieren. Die Minipille zum Beispiel ist besorgt, damit mir Menstruationsschmerzen und PMS nicht noch einen Stein mehr in den Weg schmeißen. Noch schnell zu dieser netten Künstlerin ins Atelier fahren, um das Reparieren fest zu halten, damit es auch fest bleibt. Und was male ich da? Einen Berg, der mal ein kalter, dunkler, nasser Felsen war. Auf dem Papier ist er ein Berg am Meer mit feinen Lava-Adern, der stetig wächst und bewachsen ist. Der Berg ist wirklich eine gute Sache. Eine ganz andere Sache als die (Selbst-)Optimierung für einen harten Alltag.

 

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